DFB: Undemokratische Präsidentschaftswahlen

Taz-Redakteur Andreas Rüttenauer will DFB-Präsident werden. Seine Kampfkandidatur wirft ein Licht auf die undemokratischen Präsidentenwahlen beim Deutschen Fussball-Bund (DFB).

Andreas Rüttenauer (Foto)

Am 2. März 2012 wird der neue Präsident des Deutschen Fußball-Bunds gewählt. Gesucht wird ein Nachfolger von Theo Zwanziger, der den Verband deutscher Vereine, unter dem rund 6.700.000 Mitglieder Fussball spielen, seit 2004 führt.

Nun könnte man annehmen, dass nach Kandidaten für die Wahl gesucht wird, doch dem ist nicht so. Schon bei der Vermeldung seines Rücktritts erklärte Zwanziger, er sei seit einigen Monaten mit einer Persönlichkeit im Gespräch, die er für «sehr geeignet» halte. Wenige Tage darauf stellte sich heraus, dass Zwanziger seinen bisherigen Generalsekretär Wolfgang Niersbach damit gemeint hatte.

«Wolfgang Niersbach wird für das Amt des DFB-Präsidenten kandidieren. In einer Sitzung in Frankfurt am Main sprachen sich die Vertreter der fünf Regionalverbände des DFB sowie weitere Mitglieder des DFB-Präsidiums einhellig für eine Kandidatur des derzeitigen Generalsekretärs aus.»

In der Ankündigung des Wahltermins am 22. Dezember 2011 wurde der Kandidat wie folgt vorgestellt:

«Dabei wurden auch der Fahrplan und das Prozedere der Übergabe des Präsidentenamtes an Wolfgang Niersbach festgelegt.» (Hervorhebung durch den Verfasser)

Man beachte: Es gibt nur einen einzigen «Kandidaten» für das «Amt», und dieses erhält er in einer «Übergabe».

Wolfang Niersbach ist, wie überraschend aber auch, sehr gut zu sprechen auf «Dr. Zwanziger»:

«Wolfgang Niersbach, DFB-Generalsekretär und Kandidat für das Amt des Präsidenten, erklärt: ‹Mit großem Respekt begrüße ich diese Entscheidung von Dr. Zwanziger. Wir sind uns einig in der Zielsetzung, einen reibungslosen und harmonischen Übergang zu vollziehen. Ich bin mir auch sicher, dass uns dies gelingt, weil wir seit 20 Jahren eng, vertrauensvoll und freundschaftlich zusammenarbeiten. Ausdrücklich bedanken möchte ich mich für das mir entgegengebrachte Vertrauen. Letztlich das entscheidende Votum haben die Delegierten des Bundestages.›»

Die Delegierten des Bundestages? Nicht des Bundestages, sondern des DFB-Bundestages, der aus rund 260 Delegierten besteht und sowas wie ein Parlament des deutschen Fussballs ist.

Doch Parlament ist nicht der richtige Ausdruck, wie diese Auflistung der beim letzten ausserordentlichen DFB-Bundestag vor zwei Jahren stimmberechtigten Delegierten zeigt. Denn zu denn Stimmberechtigten gehören einerseits die Funktionäre der Regionalverbände und die Funktionäre des Ligaverbands. Andererseits Teil der 260 stimmberechtigten Delegierten waren die 29 Personen im DFB-Vorstand und die 17 Mitglieder des DFB-Präsidiums (ja, auch Theo Zwanziger darf abstimmen, vielleicht sogar der Kandidat selbst, das müsste man abklären).

Wer das eine völlig undemokratische Angelegenheit unter Funktionärseliten empfindet, bei der ein einzelner Fussballer gar nichts zu sagen hat, liegt also völlig richtig.

Aus diesen Gründen hat taz-Sportredakteur Andreas Rüttenauer eine Kampagne in eigener Sache gestartet. Er tritt einfach mal als Gegenkandidat zu dieser Veranstaltung an:

Ab Minute 2 erkärt Rüttenauer das Ziel seiner Aktion:

«Mein Ziel ist: Die Urwahl eines Präsidenten. Die Möglichkeit für alle Fussballerinnen und Fussballer dieses Landes, ihren obersten Repräsentanten in einer Urwahl selbst bestimmen zu können.»

Eine Urwahl ist die Wahl direkt durch die Mitglieder. Ob man 6,7 Millionen Mitglieder fragt oder 260 Verbandsfunktionäre – das kann einen gewichtigen Unterschied machen.

Unterstützen kann man die Kandidatur von Andreas Rüttenauer vorerst via Social Media:

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