Die beste Antwort zur Frage

Wer sich am Samstag um 20 Uhr die ARD-Tagesschau anschaute, wurde die ersten 6:14 Minuten mit den Themen Castor-Transport nach Gorleben, Grünen-Bundesparteitag und «Stuttgart 21»-Demo konfrontiert. Im Rest der 15 Minuten ging es auch noch um Euroverträge, das Ausland, die Bundesliga und das Wetter.

Wer sich am Sonntag um 20 Uhr die ARD-Tagesschau anschaute, wurde die ersten 7:07 Minuten mit den Themen Volksabstimmung zu «Stuttgart 21», Castor-Transport nach Gorleben und dem Grünen-Bundesparteitag konfrontiert. Im Rest der 15 Minuten ging es auch noch um Spendenaktionen der Kirchen, das Ausland, die Bundesliga und das Wetter.

 

Wenn man es sich mal überlegt, dann handelt es sich bei den Topthemen zu einem guten Teil um klassische (Post)-68er-Themen, wobei die Berichterstattung über «Stuttgart 21» am Abstimmungssonntag nun wirklich keine Überraschung, vielmehr ein Pflichtteil ist. Aber ob solche Themen gleich zu Beginn und in diesem Umfang behandelt werden sollen, kann man ja fragen.

Aktivisten von Robin Wood bauen ein Baumhaus im Stuttgarter Schlossgarten.

Bei der zusehenden Bevölkerung jedenfalls hinterlässt es den Eindruck, als seien diese Themen wichtig. Es könnte zu einem vermehrten Bewusstsein führen für die Gefahren der Atomkraft, für die grüne Partei, für die Anliegen der«Stuttgart 21»-Gegner. Auf jeden Fall sind es Journalisten, die so gewichten. In öffentlich-rechtlichem Auftrag.

 

Doch ginge es nur nach der Anzahl von Berichten in den Medien, dann hätte das Projekt «Stuttgart 21» schon längst abgebrochen werden müssen. Nachdem die Medien anfänglich jahrelang dazu geschwiegen hatten, sind, aufgeweckt durch die Proteste, unzählige Berichte erschienen. Viele von ihnen haben die Position der Projektgegner eingenommen und ihnen eine Plattform zur Verfügung gestellt, die, um auf die Gewichtung der Tagesschau zurückzukommen, nur friedlichen und gewalttätigen Atomkraftgegnern noch leichter zugänglich ist. Sogar gegen Medien, die es wagten, sich für «Stuttgart 21» auszusprechen, wurde in anderen Medien Stimmung gemacht. Nun gut, so läuft das in der Demokratie. Jeder versucht, seine Position möglichst erfolgsversprechend darzulegen.

Nun aber ist ein Entscheid da. Im Gegensatz zu den vielen von den Medien gezeigten Protestlern haben die Bürger an der Urne in ihrer Mehrheit anders entschieden. Sie nahmen die Position der Vernunft in dieser durchaus verzwickten Lage ein und entschieden sich, das Projekt, gegen das nun wirklich sehr viel einzuwenden ist, zu Ende zu bauen. Es ist kein begeisterter Entscheid, es profitieren nur sehr wenige von den ständig steigenden Baukosten. Die Allermeisten, so behaupte ich, wollen einfach einen anständigen Bahnhof und Frieden.

 

In den Medien breit ausgewalzt werden nicht selten die Anliegen der arrivierten Elitisten. Denn es sind immer Journalisten, die entscheiden, welche Beiträge in die Zeitung, ins Fernsehen, auf die Online-Portale kommen. Und Journalisten sind, wie wir wissen, eine zu einem guten Teil privilegierte, sehr gebildete und weitgehend abgeschottet vom Rest des Volkes lebende Klasse. Die Themen, die in der breiten Bevölkerung gären, sind oft nicht die, die Journalisten unzufrieden machen. Und umgekehrt.

Wie sich jetzt gezeigt hat, wurde ein Protest, hinter der überhaupt nur eine Minderheit der Bevölkerung steht, von den Medien mit sehr viel Aufmerksamkeit bedacht. Stellen wir uns nur mal eine Sekunde vor, die sich gegen kriminielle Ausländer wendende Schweizer Ausschaffungsinitiative (die im Volk eine Mehrheit fand), wäre von den Medien ebenso unterstützt worden.

Welches Anliegen ist nun gerechtfertigt und welches nicht? Nur ein Volksentscheid (ohne Quorum!) kann eine gute Antwort des Volks auf strittige Fragen liefern. Dass bei «Stuttgart 21» nur ein Teil der Bürger (48,3 Prozent) die Möglichkeit zur Fragebeantwortung überhaupt wahrgenommen hat, spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass jede und jeder, der oder dem die Frage ein Anliegen war, die Möglichkeit wahrnehmen konnte.

Bild: Aktivisten von Robin Wood bauen ein Baumhaus im Stuttgarter Schlossgarten, Flickr/robinwood, CC BY 2.0-Lizenz.

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