Demokratisches Europa – wenigstens beim ESC

Samstagabend, um 21 Uhr, findet wieder der alljährliche Eurovision Song Contest statt. Und wenn es neben sportlichen Veranstaltungen etwas gibt, das Europäer gemeinsam feiern, dann wohl diesen Anlass.

Vielleicht ist es auch das Demokratische daran, das einen Reiz ausmacht. Schaut man in die Geschichte der Punktevergabe, so ist eine Demokratisierung zu beobachten.

Bis 1997 wurde die Punktevergabe ausschließlich durch eine Jury bestimmt. Diese bestand pro Land aus 16 Personen – acht Experten und acht musikinteressierten Laien, die zudem aus verschiedenen Generationen sein mussten, um ein objektives Ergebnis zu gewährleisten. (…)

Während einiger Jahre wurden die Punkte ausschliesslich durch Televoting bestimmt.

Seit 2009 werden die Punktzahlen, die jedes Land vergibt, zu 50 % durch Televoting und zu 50 % durch eine fünfköpfige Jury bestimmt.

Demokratischer geworden ist auch die Auswahl des Kandidaten. Die amtierende Titelhalterin, Lena Meyer-Landrut, konnte in Norwegen nur gewinnen, weil sie zuvor die ausschliesslich von Fernsehzuschauern entschiedene Castingshow «Unser Star für Oslo» für sich entschied.

Der diesjährigen Schweizer Kandidatin, Anna Rossinelli, gelang auf dem Castingweg der Weg bis ins Finale. In den letzten Jahren scheiterten etliche Profis mit klingenden Namen glorios, entweder schon vor oder spätestens im Finale.

Das Schweizer Fernsehen will darum nichts am bewährten Auswahlverfahren ändern, wie 20min.ch in Erfahrung brachte:

Es werde wieder ein öffentliches Casting im Internet stattfinden, bei dem die Teilnehmer für die Show ermittelt werden, so der SF-Sprecher weiter. Aus diesen wird dann erneut während einer Live-Samstagabend-Castingshow per Telefonvoting der Schweizer Kandidat für den Eurovision Song Contest gewählt.

Es gibt auch nicht so demokratische Elemente: Die ganze Veranstaltung wird von Gebührenzahlern finanziert, die dazu verdonnert sind, obwohl sie sich eher für vernünftige Informationen, oder wenn für Musik, dann für klassische, interessieren. Und die «Big Five» Deutschland, Frankreich, UK, Spanien und Italien sind im Finale einfach gesetzt. Aus finanziellen Gründen:

1996 wurde beschlossen, dass die vier Mitglieder mit dem größten Anteil des EBU-Etats für die Teilnahme im Finale gesetzt sind. Da der deutsche Beitrag 1996 bei einer internen Juryvorauswahl ausgeschieden war wurde dies beschlossen, damit die finanzstarken Mitgliedsländer nicht auf Dauer der Veranstaltung fernbleiben.

Es ist albern, aber wahr: Der Eurovision Song Contest zeigt ein lebendiges Europa und ist mit Sicherheit beliebter als das, was Politiker aus Europa gemacht haben, wenn nicht sogar demokratischer. Lang lebe der friedliche Singwettbewerb!

Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen.

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben.

Sie können diese HTML-Tags und -Attribute verwenden <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

  • RSS Twitter Facebook