Die Wahl des zu Guttenberg

Seit fleissige Netznutzer im Guttenplag Wiki Belege dafür zusammengetragen haben, dass der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mehr als einen Fünftel seiner Doktorarbeit nicht selbst geschrieben, sondern ohne Angabe aus anderen Quellen übernommen hat, ist die Empörung in Teilen der deutschen Bevölkerung gross.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Morgen Samstag wird deshalb in Berlin demonstriert. Eine Veranstaltung unter dem Namen «Wir zeigen dem Lügenbaron den Schuh!» will vom Potsdamer Platz zum Verteidigungsministerium ziehen:

Die Zustände der Politik in Deutschland verkommen ins unerträgliche. Die BILD-Leser wollen einen adeligen Blenderkönig haben. Wenn wir uns das gefallen lassen, wenn ein Minister in Deutschland mit so einem Monsterplagiat durchkommen kann ohne zurückzutreten, ist es bald vorbei mit Wissenschaft und Politik in Deutschland. Schicken wir Guttenberg zurück auf sein Schloß, zeigen wir dem Lügenbaron den Schuh!

Weiter heisst es:

Bringt Transparente, Lügennasen und Extra-Schuhe mit!

Tatsächlich: Einige Deutsche haben also vor, dem Minister ihre Schuhe zu zeigen. Oder sie gar auf ihn zu werfen, so wie es Muntazer al-Zaidi bei George W. Bush versucht hat.

 

Demonstrieren gehen. Und das ist auch schon alles, was man tun kann.

Denn obwohl sich unsere Staatsform Demokratie, also Volksherrschaft nennt, gibt es sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz für den einzelnen Bürger weder eine Möglichkeit, ein Mitglied der Exekutive zu wählen, noch ihn wegzuwählen. Es bleibt nichts mehr, als darauf zu warten, dass ein Minister sein Amt aus eigenem Antrieb niederlegt, weil er sich dem politischen und publizistischen Druck nicht mehr gewachsen fühlt.

 

Zeitungen und Online-Portale schaukeln sich derzeit mit Umfragen, ob Karl-Theodor zu Guttenberg nun sein Ministeramt abgeben soll oder nicht, gegenseitig hoch – was durchaus im eigenen Interesse liegt: mehr Klicks führen zu mehr Werbeeinnahmen. «Spiegel Online» hat einige davon gesammelt.

Diese Umfragen sind allesamt manipulierbar und bedeutungslos. Dem Bürger wird eine Entscheidungsmacht vorgegaukelt, über die er nicht verfügt.

Eine Entscheidungsmacht hätten Bürger, die selbst entscheiden könnten, wer welches Ministerium führt.

 

Die von Journalisten so gerne als «rechtspopulistisch» verschrieene Schweizerische Volkspartei (SVP) sammelt derzeit Unterschriften für eine Initiative, welche die Volkswahl des Schweizer Bundesrats, der siebenköpfigen Exekutive, ermöglichen will. Die Sammelfrist dauert noch bis zum 26. Juli 2011.

Bild: Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bundesminister für Verteidigung, Flickr/michael-panse-mdl, CC BY-ND-Lizenz.

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