Bildungsbürgertum mit Westalgie

In der «Neuen Zürcher Zeitung» ist ein Vortrag von Eric Gujer zu den Westdeutschen zusammengefasst, die «der alten Bundesrepublik mit ihren geordneten Verhältnissen» nachtrauern. Es geht darin auch um die direkte Demokratie:

Bundesrepublik hier in den Grenzen von 1957 (nach Beitritt des Saarlandes) bis 1990Wegen der Erfahrungen mit Plebisziten in der Weimarer Republik war die direkte Demokratie im westdeutschen Bildungsbürgertum bis in die neunziger Jahre übel beleumundet. Heute ist es vor allem das Bürgertum, das sich für Volksentscheide engagiert. (…)

Man wirft der Politik gerne Entscheidungsunfähigkeit vor. Wenn diese dann aber entscheidet, ist es auch nicht recht, und alle tragen ihre Politikverdrossenheit wie eine Monstranz vor sich her. Die Mittelschicht, einst die Trägerin gesellschaftlicher Dynamik, lehnt heute Reformen und Strukturwandel ab. Stolz auf das Erreichte ist selten, es überwiegt die Furcht vor dem Neuen. Denn die Mittelschicht sieht sich und ihre Lebenswelt bedroht. So grassiert eine Debatte über den Abstieg der Mittelschicht, welche die wachsende Kluft von Arm und Reich grotesk übertreibt.

«Die Westalgie ist ein hartnäckiges Gefühl»
(nzz.ch, Eric Gujer)

Bild: CC Commons, BY-SA-Lizenz

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