Stuttgart21: «Keine repräsentative Befragung»

Die «Zeit» liefert Hintergründe, warum es derzeit beim Stuttgarter Bahnhofsprojekt Stuttgart21 zu derart emotional geführten Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und Politikern kommt.

Wie die Verantwortlichen eine Einbindung der Bürger von Anfang an verhinderten, macht auch ein Amateurvideo auf dem Internetportal YouTube deutlich, das auf 1997 datiert ist: Schuster hat zur »offenen Bürgerbeteiligung« geladen, offen ist allerdings nur der Saal, der so voll wird, dass die Gäste hinten stehen müssen. Einer nimmt das Mikrofon und appelliert, das Volk doch »wenigstens in einem beschränkten Maß« über das Projekt abstimmen zu lassen. Applaus in der Runde. Die Antwort des Moderators: »Wir machen hier keine repräsentative Befragung, ob Stuttgart 21 gewollt wird oder nicht.« Diskussionsgrundlage sei der »Rahmenplan der Stadt«. So wird ein Einwand nach dem anderen abgekanzelt.

Es ist ein Verhalten, das in der Bevölkerung ein Gefühl von Ohnmacht entstehen lässt. »Die Menschen haben das Gefühl, dass über ihre Köpfe hinweg bestimmt wird«, sagt der Kommunikationsforscher Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim. Ein Gefühl, das bei Tausenden irgendwann in Wut umgeschlagen ist. Wut darüber, dass kritische Stimmen, die früh vor den Gefahren für die Mineralquellen unter der Stadt oder vor den Risiken des Stuttgarter Untergrunds gewarnt hatten, beiseitegewischt wurden. Wut darüber, dass Gutachten, die auf verkehrstechnische Mängel hinweisen, jahrelang unter Verschluss gehalten wurden. Wut darüber, dass das angeblich am sorgfältigsten gerechnete Bahnprojekt immer teurer wird.

«Ausgetrickst und abgekanzelt»
(zeit.de, Kerstin Bund)

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