Elektronische Stimmabgabe im Test

Wir testen den E-Voting-Versuch für stimmberechtigte Auslandschweizer der Stadt Zürich.

Am 26. September 2010 stimmen die Schweizerinnen und Schweizer über die Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes ab. Als Auslandschweizer darf ich (in einem Versuch) mitabstimmen, in meinem Fall in der Stadt Zürich (mehr zu den erhaltenen Unterlagen HIER).

Es beginnt mit der Eingabe der auf dem Stimmrechtsausweis aufgedruckten Identifikationsnummer:

Screenshot evoting.zh.ch

Dann wird man über Fragen der Sicherheit und des Datenschutzes …

Screenshot evoting.zh.ch

… sowie über die gesetzlichen Bestimmungen aufgeklärt. Damit man sie per Checkbox und Klick bestätigen kann.

Screenshot evoting.zh.ch

Nun bin ich überrascht. Bereits jetzt kommt die entscheidende Frage (irgendwie war ich auf höhere Hürden eingestellt):

Screenshot evoting.zh.ch

Ich klicke also meine Antwort ein, gehe auf «Weiter» und werde jetzt, nachträglich, mit der Sicherheitsfrage beschäftigt.

Screenshot evoting.zh.ch

Dafür muss ich das Sicherheitssiegel auf meinem Stimmrechtsausweis freirubbeln. So wie beim Millionenlos oder bei der PIN der Bank:

Stimmrechtsausweis

Zu bemängeln ist die etwas gar kleine Schrift (weiss auf schwarz), die den Hinweis dazu gibt, was zu tun ist.

Elektronische Abstimmung

Nachdem ich ausgiebig gerubbelt habe, kann ich die Nummer durch das Licht von der anderen Seite her erkennen. Ich tippe sie ein:

Screenshot evoting.zh.ch

Ja, das ist mein Geburtsdatum. Nein, das ist nicht der Code, den ich gesehen habe.

Auf dem nächsten Screen sehe ich nochmals, was ich abgestimmt habe. Abgedeckt ist rechts mein «Ja» bzw. «Nein» und links das Symbol, das auch auf meinem Stimmrechtsausweis abgedruckt ist. Ein Sicherheitsmittel: Sollte es nicht übereinstimmen, soll man sich sofort wegen Verdacht auf Betrug melden.

Screenshot evoting.zh.ch

Auch auf dem letzten Screen nochmals das Symbol, dazu irgendeine Nummer, von der ich jetzt nicht weiss, was sie bedeutet.

Screenshot evoting.zh.ch

Fazit: Ich kann nicht beurteilen, wie sicher meine Stimmabgabe ist. Die Usability ist aber erfreulich simpel und leicht zu verstehen. Gedauert hat der Vorgang wenige Minuten, etwas gleich lang wie die briefliche Stimmabgabe. Das Porto und den Gang zur Post kann man sich allerdings so einsparen. Gut möglich, dass ich in Zukunft wieder so abstimmen werde.

Wer diese (echte) Stimmabgabe in einer Simulation nachspielen will, kann das auf evotingdemo.zh.ch tun. Das Portal für die offizielle Stimmabgabe ist evoting.zh.ch.

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7 Kommentare

  1. Am 9. September 2010 um 12:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hübsch! Wäre interessant, ob diese zusätzliche (und relativ einfache) Möglichkeit sinkende Wahlbeteiligungen wieder nach oben bringen kann. Dann wäre es auch ein schönes System für deutsche Bürger in Deutschland.

    • Am 9. September 2010 um 12:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Die Einführung der Briefwahl führte AFAIK nicht dauerhaft zu einer höheren Stimm- und Wahlbeteiligung und ich gehe deshalb davon aus, dass auch E-Voting nicht zu einer höheren Beteiligung führt. Denkbar wären selbstverständlich entsprechende Manipulationen, sollte eine bestimmte Beteiligung politisch erwünscht sein … 🙄

      • Am 9. September 2010 um 13:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Die Frage bei solchen System ist natürlich immer, wie man diese überprüfen kann. Bei einer Wahl mit einer Urne kann jeder verstehen, ob die ok ist und z.B. keinen doppelten Boden hat. Bei elektronischer Wahl ist man dem Admin ausgeliefert. Nutzt man kryptographische Verfahren, so dass der Admin nichts fälschen kann, versteht man es aber ohne Mathe-Studium nicht.

        Es bleibt halt ein Dilemma.

      • Am 9. September 2010 um 13:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Nun ja, vielleicht stellt die Briefwahl eine höhere Hürde dar: Anforderung der Unterlagen, Ausfüllen, Briefkasten suchen (vor allem auf dem Land inzwischen eher Glückssache, weil’s kaum noch welche gibt), hingehen, einwerfen…

        Da scheint mir mit dem von Ronnie vorgestellten System doch erheblich einfacher zu sein; vor allem für Menschen, die nicht willens oder in der Lage sind (akut oder chronisch), die Wohnung zu verlassen.

  2. Am 9. September 2010 um 13:10 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich hab mir jetzt grade überlegt, was wohl passiert, wenn ich jetzt (wie sonst immer) meine brieflichen Wahlunterlagen ausfülle und abschicke.

    Wird da jede Einsendung gegengecheckt? Könnte ich je nach dem zwei Stimmen abgeben? Oder würde ich dann in Konflikt kommen mit Artikel 282 des Strafgesetzbuchs wegen versuchtem Wahlbetrug? Mit «Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe»?

    • Am 9. September 2010 um 13:13 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich habe das Sicherheitssiegel geöffnet. Kann ich trotzdem meine Stimme noch auf dem traditionellen Weg abgeben?

      Ja, in diesem Falle wird geprüft, ob Sie nicht schon elektronisch Ihre Stimme abgegeben haben. Die doppelte Abgabe der Stimme ist eine unbefugte Teilnahme an einer Wahl oder Abstim­mung und ist als Wahlfälschung strafbar (Art. 282 StGB).

      https://evoting.zh.ch/MainPage/pdf/anleitung_evoting.pdf

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