Stuttgart21 vs. NEAT

Ein Vergleich zwischen zwei Projekten: dem Stuttgarter Bahnhofsprojekt Stuttgart21 und dem Gotthard-Basistunnel innerhalb der NEAT.

Stuttgart21

Während das Bahnprojekt Stuttgart21 1998 noch 2.6 Milliarden Euro kosten sollte, sind es nun schon über 4 Milliarden. Ein Ab- oder Umbau des Projekts wird die Steuerzahler ebenfalls mehrere Milliarden Euro kosten.

Bei aller Sympathie für die Auflehnung der Bürger gegen das Grossprojekt: Ein halbes Jahr nach Baubeginn ist definitiv ein zu später Zeitpunkt dafür.

Vor Projektbeginn war der Protest durchaus angebracht. Aber jetzt? Wirkt er auf mich eher pubertär und unverantwortlich. Die Kosten für die Allgemeinheit werden durch die Proteste weiter anwachsen.

Es ist zwar durchaus legitim, zu diesem Zeitpunkt eine Abstimmung zu fordern, aber ich zweifle daran, dass das in diesem Fall sinnvoll ist. Wäre es nicht das Beste, sich nun mit den Behörden und Bauherren an einen Tisch zu setzen und einen Kompromiss zu schliessen? Und die weitere Energie dafür aufzuwenden, dass das so nicht nochmals vorkommt?

Gotthard Basistunnel

Am letzten Freitag, am 15. Oktober 2010, wurde der Durchschlag im 57 km langen Gotthard-Basistunnel geschafft. Ein Projekt, das am Schluss wohl fast 10 Milliarden Euro kosten wird. Ein Projekt, das aber in zwei Abstimmungen von den Bürgern legitimiert wurde, 1992 und 1994:

«Bundesbeschluss über den Bau der schweizerischen Eisenbahn-Alpentransversale (Alpentransit-Beschluss)»
(1992, Beschluss des Gotthard-Basistunnels innerhalb der NEAT)

«Eidgenössische Volksinitiative ‹zum Schutze des Alpengebietes vor dem Transitverkehr›»
(1994, Beschluss der Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene)

Vergleichen wir nochmals:

Stuttgart21 vs. NEAT

Im grösseren Land, in dem nur gewählt werden kann, soll in einer vergleichsweise kleinen Stadt ein neuer Bahnhof gebaut werden, doch der wird von den eigenen Bürgern sabotiert.

vs.

Das kleinere Land, in dem Bürger mitbestimmen können, beschliesst ein auch dem Ausland (vor allem Deutschland und Italien) zugute kommendes Grossprojekt und zieht es durch.

Wie ist das jetzt mit dem Vorurteil, mit mehr direkter Demokratie gäbe es keine Grossprojekte mehr?

Bild 1: Cymaphore unter cc-by
Bild 2: Bilfinger Berger Group unter cc-by-nd
Grafik: Ronnie Grob

Nachtrag 1:

Aaron Koenig vergleicht auch: «Stuttgart 21: Die Schweizer machen’s besser»

Nachtrag 2:

Den Gegnern des Bahnprojekts Stuttgart 21 wird vorgeworfen, sie hätten ausreichend Gelegenheit zum Mitreden gehabt. Doch von wegen. Ein Blick in die Archive zeigt: Diese Unterstellung ist schlicht falsch. Ein längst überfälliger Rückblick.

«Der unheilbare Mangel» (sueddeutsche.de, Andreas Zielcke)

Nachtrag 3:

Für die Zukunft jedoch gilt: Augen auf und in die Schweiz gucken! Da weiß man schon lange, das am Ende die Macht vom Kunden – Sorry! Vom Volk – ausgeht.

«Alle Macht geht vom Kunden aus» (wiwo.de, Jörn Hüsgen)

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