Globale Demokratie ist machbar und ihre Realisierung rückt immer näher – dieser Überzeugung ist der Filmer Joel Marsden, der während acht Jahren am Dokumentarfilm «World Vote Now» gearbeitet hat …
… in einem TELEPOLIS-Interview äusserte er sich unter anderem auch zur direkten Demokratie:
Können Sie einige Beispiele geben für Demokratiedefizite in den Vorzeigedemokratien EU und USA? Und außerdem Beispiele für positive Elemente des demokratischen Prozesses in Ländern, von denen man das eher nicht erwarten würde?
Joel Marsden: Die individuellen demokratischen Mechanismen in jedem Land, jeder Region und jeder Kultur sind extrem unterschiedlich, ähnlich wie dies beim Essen oder bei der Musik der Fall ist. Manchmal sind sie so kompliziert, dass, wie in den USA, nicht einmal das Management einer Wahlstation in North Carolina erklären konnte, wie es eigentlich funktioniert. Manchmal ist es so elegant und simpel wie in Long Lamcin, tief im Regenwald Borneos, wo alle Mitglieder der Gemeinschaft zusammenkommen und über alle Themen entscheiden, indem sie ein kleines Stück Papier auf einen von zwei Tellern legen – Ja und Nein, eine Person, eine Stimme. Das war direkte Demokratie und die Variante, die mir am besten gefallen hat.
Aber wenn demokratische Prinzipen fehlen, kann man das körperlich spüren. In Konfliktzonen, in Diktaturen, in Gegenden extremer Armut kann man die Härte dieser Realität erfahren. Man fühlt die Angst und die Verzweiflung. Und genau das müssen wir ändern.
